Auf dem Weg zur inklusiven Gesellschaft

Menschen mit Migrationshintergrund

„In Deutschland leben rund 15,3 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund. Nach den vom Statistischen Bundesamt in Wiesbaden veröffentlichten Daten sind von den Migranten und ihren Nachkommen mit 7,3 Millionen jedoch nur knapp die Hälfte Ausländer, weil die anderen acht Millionen mittlerweile eingebürgert wurden. Insgesamt beträgt der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund an der Gesamtbevölkerung 18,6 Prozent. Die meisten von ihnen - 96 Prozent - leben im alten Bundesgebiet sowie Berlin und nur vier Prozent (600.000) in den ostdeutschen Ländern. Das ergab die Auswertung des Mikrozensus 2005.“ (Aus Tagesschau.de vom 02.03.2010: 15 Mio. Migranten leben in Deutschland)

Noch immer gilt vielen Deutschen die Bundesrepublik nicht als Einwanderungsland, trotz ihrer in den 1950er beginnenden Migrationsgeschichte, bei der es sich zunächst um reine Arbeitsmigration handelte. Das deutsche „Wirtschaftswunder“ geht in großen Teilen auf die Arbeit der so genannten „Gastarbeiter“ zurück.

 Heute hat sich die aktive Einwanderung nach Deutschland drastisch verringert. Das hängt zum Teil mit der Drittstaatenregelung aus dem Jahr 1993 zusammen, die eine „Regelung im Asylrecht ist, nach der Personen, die im Ursprungsstaat zwar politisch verfolgt wurden, aber über einen für sie sicheren Drittstaat einreisen, nicht das Recht auf Asyl wegen politischer Verfolgung geltend machen dürfen.“(Wikipedia.de: „Drittstaatenregelung“)

 Die gesellschaftliche Debatte bezieht sich kaum auf die aktuelle aktive Einwanderung, sondern auf die bereits ansässigen Menschen mit Migrationshintergrund, die zum Teil bereits in der vierten Generation in Deutschland leben.

Bisher wurde im Kontext der Migrationsforschung vom Ansatz der Integration ausgegangen, der zumindest in seinen älteren Bedeutungen einzig ein Leistungsprinzip und eine Aufforderung an den jeweiligen Migranten beinhaltet, sich durch individuelle Anstrengung in die Gesellschaft zu integrieren. Wobei häufig Formen der strukturellen Ausgrenzung und Benachteiligung wie bspw. im deutschen Schulsystem ignoriert wurde.

 Einen Zwischenschritt bildet der Ansatz, wonach „Integration“ als ein beidseitiger Prozess verstanden werden kann, dass also auch die Aufnahmegesellschaft etwas zur Integration der Migranten beitragen soll. Inklusion letztlich geht einen Schritt weiter, da sie die grundlegende Überprüfung der strukturellen Exklusion fordert, die Migranten nicht von vornherein gleiche Chancen einräumt, sei es in der Schule, auf dem Arbeitsmarkt oder bei der Wohnungssuche, indem strukturelle Diskriminierungen ausgeräumt werden und deren besondere Fähigkeiten, die sie durch die Kenntnis von zwei Sprachen und Kulturen erworben haben, als Gewinn an Vielfalt und Bereicherung verstanden werden.

Der Diversity-Ansatz steht nicht bloß für die Anerkennung der Unterschiede, sondern vielmehr für deren positive Wertschätzung. Ein Beispiel ist die wirtschaftliche Nutzung der Vorteile von Diversity: „Die Ziele von Diversity Management sind es, eine produktive Gesamtatmosphäre im Unternehmen zu erreichen, soziale Diskriminierungen von Minderheiten zu verhindern und die Chancengleichheit zu verbessern. Dabei steht aber nicht die Minderheit selbst im Fokus, sondern die Gesamtheit der Mitarbeiter in ihren Unterschieden und Gemeinsamkeiten.“ (Wikipedia.de: Diversity Management)