Vom Sorgenkind zum Bürger

Der zweite Workshop der Reihe "Sozialraum und Inklusion" am 27.10.2011 mit 100 Teilnehmern im Hohen Arsenal in Rendsburg, stand unter dem Motto "Vom Sorgenkind zum Bürger – Menschen mit Behinderung planen ihr Leben. Rechte und Pflichten in sozialräumlichen Netzwerken".

Nach einer Begrüßung durch Andreas Hamann, dem Geschäftsführer des IBAF, in der er die individuelle Freiheit als das Ziel und das Recht jedes Menschen, ob mit oder ohne Behinderung, in den Mittelpunkt rückte, begann der Workshop, dessen Hauptthema die vielfältigen Methoden der Persönlichen Zukunftsplanung waren.

Anhand von Vorträgen und durch Diskussionen in den Arbeitsgruppen sollten die Teilnehmer gemeinsam folgende Fragen beantworten: Wie können Menschen mit Behinderungen in mehr Eigenständigkeit anhand der Persönlichen Zukunftsplanung begleitet werden? Welche einzelnen Schritte führen dabei zum Ziel? Welche sozialräumlichen Umsetzungsmöglichkeiten der Persönlichen Zukunftsplanung in der Gemeinde, im Stadtteil, in der Familie und im Freundeskreis gibt es? Um diese Fragen zu klären, hatten die beiden Moderatoren der Veranstaltung eine Vielzahl methodischer und praktischer Ansätze im Gepäck.

Referenten und Moderatoren der Veranstaltung waren Dr. Stefan Doose von den Beruflichen Schulen Ostholstein; Fachschule Sozialpädagogik in Lensahn und Wiebke Kühl von care Netz Service, Netzwerk Offener Hilfen für Menschen mit Behinderung, Anbieter für Persönliche Zukunftsplanung und regionales Unterstützungsnetzwerk in Schleswig und Bad Segeberg.

Leicht verständlich und praktisch gut umsetzbar, stellten sie eine Auswahl der Methoden der Persönlichen Zukunftsplanung vor, die für alle Menschen, die etwas in ihrem Leben verändern wollen oder sich in einer Umbruchssituation befinden, einen äußerst hilreichen Ansatz bieten, wobei jede Persönliche Zukunftsplanung darin übereinstimme, dass als Ausgangspunkt die Wünsche und Zielsetzungen des Planenden im Mittelpunkt stehen und nicht das, wovon andere Personen zu wissen glauben, was gut für ihn oder sie sei.

Außerdem wurde immer wieder betont, dass Methoden für sich genommen nur wenige sinnvolle Veränderungen bewirkten, wenn nicht ein grundsätzliches Umdenken im Umgang mit Menschen mit Behinderungen stattfinde, die noch immer nur in den seltensten Fällen selbstbestimmt über ihr Leben entscheiden könnten.

Dabei höre das Recht auf Selbstbestimmtheit gerade nicht in den Bereichen auf, wo jemand auf fremde Hilfe angewiesen sei, wie etwa bei einem alten Menschen in einer abhängigen Pflegesituation oder bei einem Menschen mit mehrfacher Schwerstbehinderung, sondern auch in diesen Fällen müsse eine möglichst große Entscheidungsfreiheit gewährleistet sein.

Um das Thema der Persönlichen Zukunftsplanung durch ein Praxisbeispiel zu ergänzen, hat Jürgen Böhlke, einer der ersten Empfänger des Persönlichen Budgets in Schleswig-Holstein, in Leichter Sprache von seinen positiven Erfahrungen mit dem Persönlichen Budget (Persönlichen Geld) berichtet.

Jürgen Böhlke zeigte stolz die Bilder seiner Wohnung, die er seit einigen Jahren allein bewohnt und er schilderte, wie er nur in bestimmten Lebensbereichen eine Persönliche Assistenz zur Unterstützung benötigt, die er als Arbeitgeber selbst eingestellt hat und auch jederzeit wieder kündigen kann. Diese Assistenz bezahlt er vom Persönlichen Budget.

In seinem Vortrag wurde deutlich, wieviel Unabhängigkeit, Selbstbewusstsein und persönliche Freiheit, ein Mensch mit einer geistigen Behinderung mit Hilfe des Persönlichen Budgets erlangen kann.

In den Kieler Nachrichten erschien kurz vor der Veranstaltung ein Artikel über Jürgen Böhlke, in dem er über sein neues Lebensgefühl berichtete. "Jetzt fühle ich mich frei", lautete der Titel.

 

Vortrag von Dr. Stefan Doose

Vortrag_Dr._Stefan_Doose.pdf

Artikel zur Persönlichen Zukunftsplanung von Dr. Stefan Doose

PZP_und_Sozialraumorientierung_Einführung.doc

Link- und Literaturliste zur Persönlichen Zukunftsplanung

Link-_und_Literaturliste_Persönliche_Zukunftsplanung.docx

Artikel über Jürgen Böhlke in den Kieler Nachrichten

KN_251011_Pers_Budget.pdf